Ich stehe dazu – Gute Beziehungen sind wichtiger denn je – besonders bei Trennungen

Sandra Ziehlinger im Interview mit der IHK Zeitschrift Wirtschaft – Berufliche Veränderungsprozesse im Fokus.

Botschafterin für gute Beziehungen

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Frau Ziehlinger:
Placement, Coaching, Karriereberatung – was verbirgt sich hinter diesen Schlagworten?

Im Berufsleben vieler Menschen gibt es Brüche, die einerseits schwer zu verdauen sind und die andererseits auch die Chance auf Weiterentwicklung bieten. Hier berate ich meine Einzelkunden, wie es weitergehen kann und helfe, neue Lösungen zu finden. Firmen unterstütze ich dabei, für Mitarbeiter, von denen man sich trennen will oder die man innerhalb des Unternehmens anderen Tätigkeiten zuführen möchte, entweder ausserhalb oder innerhalb der Firma andere berufliche Perspektiven zu finden. Oft hilft dabei mein Blick von aussen. Wichtig ist die Individualität der Lösungen. Die Wertschöpfung für Firmen steigt damit signifikant.

Was sind die persönlichen Voraussetzungen für Ihre erfolgreiche Arbeit?

Da gibt es mehrere. Zum Einen, ganz banal ausgedrückt, ich liebe Menschen. Zum Zweiten – es braucht Verständnis für die jeweilige Situation des Einzelnen sowie – zum Dritten – für das unternehmerische und wirtschaftliche umfeld. Grundlagen hierfür sind meine langjährige berufliche Erfahrung und meine einschlägigen Qualifikationen.

Wie sah Ihr Werdegang bis zur Existenzgründung aus?

Ich habe eine humanistische Schulausbildung genossen und dann, sehr praktisch, Hochbauzeichnerin gelernt. Nach Familiengründung, trennung und mit der Erfahrung als alleinerziehende Mutter bin ich 1999 in ein Projekt eingestiegen, in dem mehrere Bildungsträger sich um Entlassungen, Wiedereingliederungen und Weiterbildungen der Belegschaft eines grösseren Konstanzer unternehmens, das insolvent ging, gekümmert haben. Das war für mich hochinteressant, und ich habe diesen Weg weiterverfolgt, unter anderem mit dem Organisieren von Lehr- und Lerntagen in Konstanz. Ich war dann Lektorin in einem technischen Weiterbildungsinstitut und habe mich mit demografisch bedingten Veränderungen in den technischen Berufen befasst. Anschliessend kam eine tätigkeit im Akkreditierungsprozess eines Studiengangs an der HtWG Konstanz. Ich habe dann eine Ausbildung bei der IHK zur Personalfachkauffrau absolviert und bin zu einem unternehmen der Pharmabranche gegangen, um dort die Personal-abteilung aufzubauen. Dasselbe habe ich für ein Solarunternehmen gemacht. Die fünf Jahre vor meiner Selbstständigkeit war ich bei der Arbeitsagentur Konstanz als Karriereberaterin tätig.

Und warum haben Sie sich selbstständig gemacht?

Ich hatte ein grosses Beziehungsnetz aufgespannt, mehrere tausend Beratungen durchgeführt und wollte in meiner tätigkeit frei sein, um noch individueller beraten zu können, sozusagen als Botschafterin für gute Beziehungen. Es gibt ausserdem derzeit sehr spannende Entwicklungen wie den Fachkräftemangel, die Digitalisierung und jetzt die Coronakrise. Alles wirkt sich intensiv auf die Arbeitswelt aus.

War der Schritt riskant?

Veränderung bedeutet immer ein gewisses Mass an Risiken und auch den Mut, diese einzugehen. Dabei spielen natürlich Ängste, Hoffnungen, Emotionen eine Rolle – bei mir genauso wie bei meinen Auftraggebern. Mir macht es Spass damit umzugehen, und in gewisser Weise bin ich der lebende Beweis dafür, dass das, was ich mache, zum Erfolg führt.

Können Sie von Ihrer Tätigkeit leben?

Das konnte ich. Corona hat mich jetzt etwas ausgebremst, aber es wird erfolgreich weitergehen, davon bin ich überzeugt.

Interview: upl

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